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“Investitionsdürre” in der Schweiz

Die UBS hat in einem White Paper eine “Investitionsdürre” in der Schweiz und weltweit konstatiert. Diese These ist verwandt mit dem Narrativ des “savings glut” (u.a. Ben Bernanke). Es werde viel gespart – sogar durch Firmen und Entwicklungsländer, beide normalerweise Kapitalnehmer – aber diese Ersparnisse würden nicht auf eine entsprechende Bereitschaft zu investieren treffen. Mit dem “savings glut” legitimieren die einen eine expansive Geldpolitik, während die UBS mit ihrem White Paper bei den Investitionen ansetzt. Wegen der tieferen Leitzinsen sollten aber inzwischen die Sparneigung abnehmen und die Investitionen anspringen.

Henri B. Meier und Daniel Wiener haben den Ball unter dem Titel “Ausbleibende Investitionen in die Realwirtschaft” in der NZZ aufgegriffen und in den Zusammenhang der Zukunftssicherung der Schweiz gestellt. Sie treibt die Sorge um, dass die riesige Schweizer Ersparnis zu konservativ angelegt werde und dadurch Chancen verloren gehen. Die Zukunft der Schweiz werde durch reale, produktive, fortschrittliche und mutige Investitionen geschaffen: in Forschung und Entwicklung, in Startups und Ventures, aber auch in Infrastruktur.

Was ist von der These einer Schweizer Investitionsdürre zu halten?

  1. Die Bruttoanlageinvestitionen in der Schweiz sind relativ konstant und ungefähr doppelt so hoch wie in den meisten europäischen Ländern und in den USA. Die Ausgaben für R&D haben auf hohe 3% des BIP zugenommen. Eine Dürre sieht anders aus
  2. Der Investitionsbedarf hat gleichzeitig vielleicht sogar abgenommen:
    1. Tertiarisierung der Wirtschaft (kleinerer Kapitalbestand)
    2. Kürzere Durchlaufzeiten (Reduktion von Lager und Raumbedarf)
    3. Polyvalentere Maschinen (ein 3D Drucker ersetzt eine ganze Werkstatt – neue Produkte und Prozesse erfordern dann nicht unbedingt mehr Kapital, bzw. das Kapital – die geleistete Denkarbeit – wird nicht aktiviert)
    4. Sharing Economy
    5. Das Streben nach “Asset Light” Geschäftsmodellen zur Förderung der Agilität
  3. Zusätzliche Investitionsgelegenheiten im Inland sind beschränkt:
    1. Politische Widerstände
    2. Personalmangel
    3. Ideenmangel
    4. Strategiemangel
  4. Wie unter 2.3 angetönt, gibt es ein Messproblem. In der Knowledge Economy erscheinen Produktivitätssteigerungen, die früher Investitionen erfordert hätten, als reine Personalkosten. Darunter fallen Weiterbildung, Prozessverbesserungen, Erfindungen.

Man kann sich also mit Fug und Recht fragen, ob es in der Schweiz tatsächlich eine Investitionsdürre gibt. Was sicher eher zutrifft ist, dass es in der Schweiz angesichts der rekordverdächtigen Sparquote einen Anlagenotstand gibt. Es ist deshalb sicher sinnvoll, die Rahmenbedingungen im Sinn von Meier und Wiener zu  verbessern.

  1. Staat ist zu gross, nimmt Möglichkeiten weg
  2. Regulatorische Anlagehindernisse sind sicher ein Quatsch, da haben M-W recht
  3. Mangel an Risikokapital ist vielleicht gar nicht da, jedenfalls
  4. Realkapital (IP und Fabriken) wird über Akquisitionen abgezogen; kommt natürlich auch dazu, aber…
  5. Wertminderung der Auslandaktiven? – Warum NIP nicht gleich Summe(Leistungsbilanzen)?
  6. Sparüberschuss hat lange Tradition (siehe Story der Bank Leu, aus welchem Buch schon wieder?)

Voraussparen oder auf Kredit – eigentlich auf der makroökonomischen Ebene nicht relevant, da es nur reale Werte gibt?

Versuch eines Programms

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