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Das Uebel liegt im Wortbild – Banken schöpfen Geld nicht “aus dem Nichts”

Beitrag in Ergänzung zu Dirk Niepelt’s Artikel auf Oekonomenstimme: “Geldschöpfung aus dem Nichts” vom 20. November 2017.

Dirk Niepelt konstatiert darin drei Missverständnisse in bankenkritischen Voten von Befürwortern der Vollgeld-Initiative. Erstens könnten Banken nicht in Eigenregie Giralgeld schöpfen, sondern nur, wenn ein Kunde einen Kredit verlangt. Zweitens sei das Geld nicht zur Verfügung der Bank, sondern es gehört dem Kunden und steht zu dessen Verfügung. Drittens sei der Vorgang nicht wesentlich anders als wenn ein Einzelhändler Coupons oder eine Airline Flugmeilen vergibt.

Mit dem folgenden Beitrag möchte ich die Verteidigung des Kreditwesens weiter stärken:

“Das Uebel liegt im Wortbild von “Geld aus dem Nichts” schöpfen. Diesem Begriff müsste systematisch entgegengetreten werden, denn in Realität geschieht das Gegenteil:

Bei einem gesicherten Kredit wie z.B. einer Hypothek auf einem bestehenden Gebäude verflüssigt die Bank einen Teil des Gebäudewerts zuhanden des Besitzers. Dieser gibt einen Teil seiner Immobilie weg, um damit andere Dinge zu kaufen. Ein gesicherter Kredit ist also alles andere als eine Geldschöpfung aus dem Nichts, das neue Geld besteht sozusagen aus Stückchen Stein. Die Bank ist also ein reiner Verflüssiger von nicht flüssigen Realwerten.

Die Realität ist sogar noch besser: Falls der Besitzer zahlungsunfähig wird und zusätzlich die Immobilie an Wert verliert, steht die Bank mit ihrem gesamten Eigenkapital für ihren schlechten Kunden ein gegenüber all denjenigen, die das neue Geld von diesem Kunden erhalten haben.

Bei ungesicherten Krediten ist es nicht viel anders. Hier besteht anfangs noch kein Wert, der verflüssigt wird. Sondern es ist die Bank, die das GESAMTE Risiko selber trägt, falls es schiefgeht. Solange der Kredit besteht, gibt es auch eine implizite Verpflichtung, den realen Gegenwert des Kreditbetrags zu schaffen. Wenn dieser Gegenwert des als Kredit geschaffenen Geldes nicht erschaffen wird (z.B. durch Sparen zur Rückzahlung eines Konsumkredits, durch ein fertiggestelltes Bauwerk bei einem Baukredit, oder durch ein Gewinn abwerfendes Unternehmen bei einem Firmenkredit), muss die Bank den Kredit abschreiben. Ohne dahinter stehenden Realwert verschwindet das neue Geld nach einiger Zeit wieder und die Bank trägt die Kosten.

Zusammenfassend: das traditionelle Kreditgeschäft der Banken hat nichts mit schwarzer Magie oder unverdienten Privilegien zu tun, sondern ist im Gegenteil hoch moralisch und risikoreich, da die Bank im Zweifelsfall mit ihrem eigenen Vermögen für die Verpflichtungen anderer haftet. Das ausgegebene Geld entsteht nicht “aus dem Nichts”, sondern ist durch bestehende oder zu schaffende Werte gedeckt.

Amoralisch ist nach diesen Ueberlegungen allenfalls das versteckte Verschieben von Risiken sowie das Nehmen und in zweiter Linie auch das Geben von ungedeckten Krediten für konsumptive Ausgaben, ein Gebaren, wodurch sich ja unter anderem auch staatliche Akteure auszeichnen.”

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SW/2017-12-07

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