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Arbeit ist auch in einer digitalisierten Welt die richtige Grundlage für die Vorsorge

Replik auf den Artikel von Der Wert der Arbeit in einer digitalisierten Welt von Christina Kehl in der Finanz und Wirtschaft vom 22.9.2017. Frau Kehl ist Gründerin von Knip und Direktorin von Swiss Finance Startups. Im Artikel kritisiert sie, dass die Altersvorsorge in der Schweiz veraltet sei, da sie auf Arbeitslohn basiert. Die Arbeit werde aber in einer digitalisierten Lohn weniger und ungleicher verteilt.

“Wenn Frau Kehl sich dafür einsetzt, dass die Rahmenbedingungen für Zukunftsbranchen verbessert werden, wird dem jeder Oekonom und Ordnungspolitiker beipflichten.

Wenn sie hingegen glaubt, dass infolge der Digitalisierung die Arbeit ausgeht, ist das zwar im Silicon Valley aus fehlplazierten Gewissensbissen “de mode”, aber deswegen nicht richtiger. Was an Maschinen delegiert wird, wird nämlich ganz einfach billig; der Mensch kümmert sich um anderes, das dafür umso teurer wird. Die Arbeit wird also MEHR wert und nicht weniger.

Und wenn der Staat der Wirtschaft freien Lauf lässt, verteilen sich diese Produktivitätsgewinne über die GANZE Wirtschaft. Ein Beispiel: für einen Haarschnitt kriegt ein Coiffeur heute Lebensmittel für eine ganze Woche, gerade WEIL die Landwirtschaft hochgradig mechanisiert ist. Der Coiffeur profitiert also davon, obwohl er an der Landwirtschaft selber gar keinen Anteil hat.

Wenn aber die Arbeit nicht ausgeht und Produktivitätsgewinne über den Preismechanismus an alle Arbeitenden verteilt werden, wird auch die Kritik an der Schweizerischen Altersvorsorge hinfällig. Die Logik bleibt auch unter grössten Umwälzungen die gleiche: mit meiner Arbeit schaffe ich mir einen Anspruch auf die Arbeit der Generationen nach mir.

Wenn die Digitalisierung demnach keine Probleme für das Rentensystem schafft, ist das für den weiteren Vorschlag von Frau Kehl nicht der Fall: Wenn nur noch 50% gearbeitet wird, geht die Logik von “einzahlen heute, beziehen morgen” nicht mehr auf. Folgendes Gedankenexperimetn mag das illustrieren: Wenn künftig nur noch die Hälfte gearbeitet wird, wie soll ich dann eine Stunde Pflege von heute gegen eine Stunde Pflege in der Zukunft eintauschen können (Oekonomem mögen mir die Verkürzung verzeihen)?

Trotzdem, wir könnten in der Schweiz aufgrund der Produktivitätsgewinne der Vergangenheit schon heute auf 50% reduzieren und auf einem ansprechenden Wohlstandsniveau (je nach Berechnungsart irgendwo zwischen Portugal und Belgien) weiterexistieren. Wir haben also die Wahl – offenbar entscheiden sich unsere Mitbürger aber für ambitioniertere Ziele.

Und das ist ein Glück, nicht zuletzt für unser Rentensystem.

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